Was Strategie-Spiele angeht ist der Zweite Weltkrieg wohl eins der am häufigsten gewählten Szenarien. Alle bisher erschienenen Company of Heroes Titel, Soldiers, Faces of War - die Liste könnte endlos lang fortgesetzt werden. Und wenn man ehrlich ist, dann ist der Zweite Weltkrieg diesbezüglich mittlerweile ausgelatscht die Kletterstiefel von Reinhold Messner. Trotzdem kehren Entwickler Best Way, 1C Company und 505 Games mit Men of War ein weiteres Mal in die blutigen Wirren des Weltkrieges zurück. Ein lohnenswerter Ausflug oder nur ein weiterer Weltkriegs-Stratege unter vielen?

Eine authentische Darstellung des Zweiten Weltkrieges lässt keinen Spielraum - und so bietet Men of War drei spielbare Parteien mit je einer Kampagne. Drei Mal dürft ihr raten unter welcher Flagge es zu Felde geht. Richtig: Auf alliierter, sowjetischer oder deutscher Seite. So bietet Men of War insgesamt 19 Missionen, die Hobby-Strategen durch taktisch kluge Manöver tunlichst für sich entscheiden sollten. Dabei lernt der Spieler einiger von der Welt kennen: Von der obligatorischen Ostfront über Frankreich, Deutschland und Griechenland geht es bis ins sandige Nordafrika.
Wie schon gesagt, 19 Missionen auf allen drei Seiten wollen gewonnen werden. Dabei glänzt Men of War nicht nur durch anspruchsvolle und durchdachte Aufgaben, die Missionen fallen zudem erfreulich abwechselungsreich aus. Hinter den feindlichen Linien wird verdeckt gearbeitet, in groß angelegten Schlachten werden die Feinde zurückgedrängt oder angegriffen, Transporte werden eskortiert. Oder es geht mit einem einzelnen Panzer actionbetont auf Feindfahrt. Dabei fallen die Missionen nicht gerade klein aus, es kann bis zu zwei Stunden dauern siegreich aus dem Gefecht hervorzugehen. Entsprechend anfordernd sind die Auseinandersetzungen auch.
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Neben einer alliierte und sowjetischen gibt es auch eine deutsche Kampagne
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Mikromanagement wird in Men of War groß geschrieben. Jeder Soldat besitzt sein eigenes Inventar, trägt seine eigene Waffe, seine eigene Munition. Geht ihm die Munition aus kann auch auf feindliche Schießprügel zurückgegriffen werden. Geht ein eigener Kämpfer zu Boden kann er geheilt werden - die entsprechenden Medikamente vorausgesetzt. Gleiches gilt natürlich auch für das schwere Kampfgerät: Wird durch eine Mine eine Panzerkette zerstört kann sie - wenn das entsprechende Ersatzteil im Gepäck ist - geflickt werden. Neu für die Spiele von Entwickler Best Way ist das allerdings nicht.
So ist natürlich die Gefahr gegeben, dass die Missionen zu stark ins akribische Mikromanagement ausarten - was auch immer wieder vorkommt: Die nötige Ausrüstung geht zu Neige und die eigenen Mannen müssen neu ausgerüstet werden. Steuerung und Oberfläche des Strategie-Spiels sind umfangreich und zu Beginn kompliziert, mit der Zeit gewinnt man aber den nötigen Durchblick. Bis dahin kann Men of War mit einigen Frustmomenten verbunden sein, denn die Einsätze verlangen dem Hobby-Strategen vor dem Monitor mitunter eine ganze Menge ab - nicht nur zeitlich gesehen.
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Das Spiel bietet actionorientiertes Direktsteuerungs-Gameplay
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Men of War setzt auf Authentizität - das gilt auch für die Einheiten und das Waffenarsenal des Spiels. Und so ist ein umfangreicher Fuhr- und Waffenpark der damaligen Zeit im Strategie-Spiel umgesetzt worden. Egal ob Panzer oder Flugzeuge, Luftabwehr oder Transport-LKWs, die Einheiten sind detailliert in das Spiel eingearbeitet worden. Gleiches gilt auch für die menschlichen Einheiten von Men of War, die außerdem auch gut animiert durch Sand, Wald, Wiesen und Schneelandschaften kämpfen. Die Umgebungen sind allerdings teilweise etwas öde, ebenso wie die meisten Effekte.
| Auffahrunfall unter Kameraden |
Die eignen Mannen reagieren taktisch klug auf Manöver des Spielers: Mit einem Panzer geht es im Alleingang durch die feindlichen Linien, zurück bleibt eine Schneise der Verwüstung. Die Mitstreiter rücken nun nach und sorgen dafür, dass die Schneise nicht wieder geschlossen wird. Der Computer kann aber auch ganz anders: Wie viele Strategie-Spiele leidet auch Men of War an Wegfindungsproblemen. Besonders großes Kampfgerät wie Panzer sind betroffen, wenn eine ganze Einheit eine recht schmale Stelle auf der Karte passieren soll. Auffahrunfälle unter Kameraden sind da keine Seltenheit.
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Die Einheiten sind detailliert, die Umgebungen ehr öde
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Wie es sich für ein Strategie-Spiel gehört verfügt Men of War auch über einen Mehrspieler-Modus, in dem Hobby-Strategen wahlweise über Netzwerk oder Internet gegeneinander antreten dürfen. Insgesamt fünf Spielmodi gibt es, in denen sich bis zu 16 Spieler austoben dürfen. Auch hier gilt es Eskortmissionen zu meistern, Angriffe zu führen oder zurückzuschlagen oder sich im Deathmatch einfach nun gegenseitig eine auf den Stahlhelm zu hauen. Einen kooperativen Spielmodus gibt es außerdem, in dem sich bis zu drei menschliche Spieler im Bündnis in die Schlachten des Zweiten Weltkrieges stürzen dürfen.
Men of War ist ein Spielplatz für erfahrene Strategen. Drei Kampagnen mit 19 Missionen, die eine Spielzeit von bis zu zwei Stunden mit sich bringen, sind enorm - hinzu kommt dass die Missionen abwechselungsreich gestaltet sind. Viele authentische Einheiten, ein Karteneditor für Bastler und ein umfangreicher Mehrspieler-Modus runden Men of War ab. Das Strategie-Spiel hat aber auch seine weniger schönen Momente: Zum Beispiel immer dann, wenn sich die eigenen Einheiten auf einer Brücke verkeilen oder das Mikromanagement Überhand nimmt. Trotzdem überwiegt bei Men of War eindeutig der Anspruch und der Spaß - Strategen dürfen sich nach Herzenslust austoben.
Drucken | review | 04.07.2009, 15:26 |
Tim Ahlert