Acht Jahre lang hat er sich seit seiner letzten großen Amtsübernahme versteckt und nur darauf gelauert, auf einem kleinen, sonnigen Eiland wieder die Kontrolle zu übernehmen und seine diktatorischen Träume Realität werden zu lassen. Die Rede ist von El Presidente, der zuletzt in Tropico auf sonnigen Inseln die politischen Puppen tanzen ließ. Mit Tropico 3 ist der bärtige Uniformträger zurück im Geschäft und macht sich in dem tropischen sonnigen und schwarzhumorigen Aufbauspiel daran zum wiederholten Aufständische zu unterdrücken, Bürger auszubeuten und Oppositionsführer unauffällig verschwinden zu lassen.

Tropico 3 spart sich den Aufstieg zu politischen Ehren, Spieler schlüpfen direkt in die Rolle von El Presidente und sind ab sofort staatlich geprüftes Oberhaupt einer kleinen, sonnigen Bananenrepublik. Fortan gilt es nicht nur die politischen und wirtschaftlichen Geschicke zu leiten, sondern das sonnige Stückchen Erde erfolgversprechend zu Formen. Wellblechhütten und Mietshäuser für die Bürger und Arbeiter, Hotelanalgen für zahlende Touristen, nützliche Propagandastützen wie Fernsehturm und Radiostation. Denn trotz Ausbeutung muss das Volk natürlich bei Laune gehalten werden.
Wer sich als Hobby-Diktator ausprobieren will hat dafür zwei Möglichkeiten: Das bekannte Endlosspiel und die neue Kampagne. Im Endlosspiel stehe alle Wege offen und der Spieler darf tun uns lassen was ihm gefällt - mit den entsprechenden Konsequenzen natürlich. Die Kampagne trägt ihren Namen eigentlich zu Unrecht, denn es gibt keine erzählte Geschichte oder einen roten Faden. Stattdessen müssen 15 verschiedene Szenarien mit speziellen Ereignissen abgearbeitet werden, die in sich zwar interessant sind aber zu sehr unter Text-, Statistik- und Menülastigkeit leiden.
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El Presidente herrscht über ein idyllisches Fleckchen Erde
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Bevor der Spieler seine Karriere als Staatsoberhaupt beginnt muss zuerst einmal ein virtuelles Abbild her. Dabei kann man auf historische Vertreter wie Fidel Castro zurückgreifen oder El Presidente von der Pieke auf selbst erschaffen - Weibliche Diktatoren gibt es übrigens auch. Das Ego kann im Spiel auch direkt gesteuert werden, was für die Lösung von Problemen sehr wichtig sein kann. Denn so kann der Spieler im Gespräch mit Demonstranten direkt auf sie einwirken. El Presidente hat auch ähnliche Kräfte wie ein Held in einem Strategie-Spiel: Durch ein paar diktatorische Worte sorgt er dafür, dass ein Gebäude schneller aus dem Boden gestampft wird.
In einer "demokratischen" Bananenrepublik gibt es natürlich auch Wahlen - und die kann nur gewinnen wer das Volk auf seine Seite zieht. Und diese Aufgabe hat der Spieler in Tropico 3 selbst in der Hand. Es stehen verschiedene Textbausteine zur Verfügung die zu einer Rede zusammengeflochten werden, die El Presidente vor versammelter Mannschaft hält. Und daraus ergeben sich Auswirkungen auf die Stimmungen der verschiedenen politischen Fraktionen - außerdem hat jeder noch so kleine Bürger in der Welt von Tropico 3 eine ganz eigene politische Meinung.
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Touristen bringen Geld, wollen aber auch entsprechend untergebracht werden
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In Sachen Gameplay hat sich von Tropico bis hin zu Tropico 3 nicht viel verändert - und das ist auch gut so. Denn das Spiel fordert El Presidente geradezu heraus politisch so inkorrekt zu handeln wie man es sich nur vorstellen kann. Die Arbeiter in den Fabriken fühlen sich ungerecht behandelt, sie fordern mehr Geld. El Presidente handelt und darauf sind alle gekündigt und noch günstigere Fremdarbeiter schuften an ihrer Stelle. Wird ein politischer Gegner ungemütlich und gefährdet die "Politik" wird für ihn kurzerhand ein kleiner Unfall organisiert. Alles völlig diskret natürlich.
Drucken | review | 29.09.2009, 21:19 |
Tim Ahlert