Wenn im Jahr 2011 ein Flugzeug über den Amazonasdschungel segelt könnte es passieren das es dort abstürzt. An Bord sind natürlich wichtige Dokumente - und Menschen sowieso. Aber da sich niemand ins dichte Grün wagt wird ein Söldnertrupp gerufen, der sich um die Sicherung von Daten und Menschenleben kümmern soll. Aber auch die Söldner die machen samt Flugzeug ein Bauchland - Luftabwehrraketen sei Dank. Aber was ein gestandener Söldner ist der rennt nicht schnell nach Hause zu Mama! Erst werden Menschen und Daten gesichert bevor es zurück zu Mama geht.

Fortan stehen sechs Söldner im Amazonasdschungel, die auf die Ausübung ihrer söldnerischen Pflichten harren - und der Spieler soll ihnen dabei helfen. Dafür bedient sich Raven Squad einer neuen Spielmechanik, indem es einen Ego-Shooter mit einem Strategiespiel kreuzt. Was dabei herauskommt nennt sich fortan RTS-Shooter und erlaubt dem Spieler den ständigen Wechsel zwischen beiden Perspektiven: Der Ego-Perspektive der sechs Söldner oder einer taktischen Draufsicht - wie in einem Strategiespiel eben.
Die Möglichkeit zwischen den beiden Perspektiven wechseln zu können erklärt das Spiel auf interessante Weise. Während sich die Söldner durch das Dickicht schlagen werden sie per Funk von einer Archäologin kontaktiert, die in einem Sattelitenbunker sitzt. Sie bietet dem Sextett ihre Augen an - wenn sie dafür gerettet und außer Landes gebracht wird. Denn am Amazonas herrscht 2011 ein ganz fieser Warlord, der auch die Söldner ausschalten möchte. Zu Beginn beschränkt sich Raven Squad kurz auf die Ego-Perspektive, ab sofort steht aber auch die RTS-Sicht zur Verfügung.
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Die sechs Söldner müssen sich durch den Amazonasdschungel schlagen
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Fortan kann man die Karte nutzen um feindliche Truppen im Grün früher auszumachen als es aus der Ego-Sicht möglich ist. Und trotzdem, die Feind entdecken die sechs Söldner meist zuerst und eröffnen das Feuer. Die Kollegen feuern zurück - scheinen aber nicht sonderlich zielsicher zu sein. Befindet man sich in der RTS-Sicht und kommandiert die Söldner in den Kampf sind sie meist so gut wie tot. Zwangsläufig muss der Spieler aktiv ins Kampfgeschehen eingreifen um zu verhindern, dass die eigenen Mannen zu Boden gehen. Wirklich nützlich ist die RTS-Sicht nicht.
Die sechs Söldner sind in zwei Teams aufgeteilt, bestehend aus jeweils drei Mann - der Spieler kann jeden übernehmen. Es gibt das offensive und das defensive Team, die auch entsprechend bewaffnet sind. Team Offensiv kämpft direkt großkalibrig an der Front, Team Defensiv hält sich vornehm im Hintergrund. Gehen die Kollegen im Kampf zu Boden können sie wiederbelebt werden, geht ein gesamtes Dreierteam im Kugelhagel in die Knie bleiben exakt 50 Sekunden um einen der Gefallenen wieder zu richten, denn ansonsten ist die gesamte Mission gescheitert, der letzte Speicherpunkt wird geladen.
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Der Wechsel zwischen beiden Sichten funktioniert einwandfrei
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Den vermeintlichen Vorteil, den der Spieler durch die RTS-Sicht haben könnte, versucht das Spiel wieder auszubügeln - allerdings auf seltsame Art und Weise. Die Kollegen kämpfen wie Schulmädchen und die Feinde entdecken den Söldnertrupp viel zu früh - oft auch schon wenn es überhaupt nicht möglich gewesen wäre. Oder sie reagieren nicht einmal auf Beschuss. Darunter leidet spürbar das Gameplay von Raven Squad, es drängt sich förmlich der Verdacht auf dass die Symbiose zwischen einem Ego-Shooter und einem Strategiespiel nicht so ein "einzigartige Spielerlebnis" ist, wie es die Verpackung des Spiels verspricht.
| Grün, grün, grün ist der Urwald |
Dabei hätte Raven Squad durchaus interessante taktische Aspekte bieten können. Der Spieler bewegt die Söldner auf ausgetrampelten Pfaden durch den Urwald, querfeldein zuschlagen ist nicht drin. Nur selten gibt es einmal die Möglichkeit alternative Wege zu gehen. Zwei Teams und die RTS-Sicht hätte aber viel mehr Spielraum geboten. Zweigeteilte Wege, auf denen man die beiden Teams hätte vorwärts schicken können, um dann die Feinde in die Zange zu nehmen. Dafür legt das Spiel aber eindeutig zu viel Wert auf die Schusswechsel aus der Ego-Perspektive.
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Auch grafisch hat Raven Squad seine kleinen Glanzmomente
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Ich glaub ich steht im Wald. In Sachen Raven Squad bekommt der Satz eine völlig neue Bedeutung. Denn tatsächlich verbringt der Spieler den größten Teil der sieben Stunden kurzen Kampagne im grünen Dickicht, das technisch aber nicht gerade zu gefallen weiß. Es fehlt an Details und Polygonen, die Texturen sind in der Regel zu verwaschen. Ordentlich gelungen sind die Söldner selbst, aber nicht gerade in Sachen Mimik und Animation. Akustisch überzeugen die kräftigen Waffensounds und der ordentliche Soundtrack, weniger gut gefällt die Vertonung. Die Sprecher bekleckern sich nicht gerade mit Ruhm.
In der Regel sind Strategen und Actionspieler zwei völlig unterschiedliche Gattungen. Im Ego-Shooter geht's mit gezücktem MG auf in die Schlacht, Strategen überdenken und planen ihre Züge erst. Raven Squad möchte beides miteinander verbinden, übernimmt sich aber daran. Um Strategen zu reizen ist der entsprechende Part zu klein und das Spiel zu linear ausgefallen, Actionspieler ärgern sich über unfähige Kollegen und unfaire Gegner. Dabei hat das Spiel auch seine guten Momente: Es kommt ein tolles Teamplay-Gefühl auf, der Wechsel zwischen den sechs Söldnern klapp schnell und reibungslos. Aber trotzdem, Raven Squad ist eine unausgegorene Mischung die weder das Action- noch das Strategie-Lager zufrieden stellt.
Drucken | review | 15.10.2009, 20:22 |
Tim Ahlert